Ein Haus an der Küste Italiens und dafür quasi nichts bezahlen? Das klingt sicherlich für viele wie ein wunderbarer und unrealistischer Traum. Ist er nicht. Zumindest fast nicht. Die italienische Stadt Taranto veräußert demnächst Wohnungen für 1 Euro.

In Italien ist es aktuell Trend, Häuser zu diesem Spottpreis zu verkaufen. Waren es bislang nur Dörfer, die ihre Unterkünfte für einen Symbolpreis an den Mann oder an die Frau zu bringen versuchten, kommt mit Taranto jetzt die erste Stadt dazu – und die liegt auch noch am Meer. Ganz genau liegt Taranto (oder auf Deutsch „Tarent”) in Apulien und damit am Beginn des italienischen Stiefelabsatzes am Golf von Tarent im Ionischen Meer.

Was steckt hinter dem Billig-Verkauf?

Wie viele Dörfer und andere Städte hat auch Taranto unter der misslichen wirtschaftlichen Lage Italiens und der daraus resultierenden Abwanderung der Bevölkerung zu leiden. Laut der Onlinezeitung „The Local” leben in Taranto 200.000 Menschen, in der Altstadt jedoch lediglich 3.000. Im 19. Jahrhundert waren es noch rund 40.000. Die Zeitung schreibt, dass viele Einwohner wegen der prekären Bedingungen der Straßen und Häuser in der historischen Altstadt weggezogen seien.

Dieser Entwicklung setzt die von Bürgermeister Rinaldo Melucci regierte Stadt jetzt diverse Maßnahmen entgegen, unter anderem das 1-Euro-Wohnungs-Projekt. 25.000 Menschen will der Bürgermeister zurück in die Stadt holen. „Wir beginnen mit drei Gebäuden, von denen fünfzehn Wohneinheiten bezogen werden können”, sagt Stadträtin Francesca Viggiano der italienischen Zeitung „Corriere della Sera”. Jede dieser Wohneinheiten kostet 1 Euro. Läuft das gut, sollen mehr städtische Grundstücke ins Rennen gehen.

Nach Angaben der Zeitung handelt es sich um Gebäude in engen und gefährlichen Gassen der Altstadt. Gefährlich? „The Local“ berichtet, dass 1975 ein Gebäude eingestürzt sei und eine Familie dabei ums Leben gekommen sei. Im Zuge des Unglücks seien viele Einwohner aus der Altstadt geflohen.

Wie komme ich an ein 1-Euro-Zuhause?

Neben dem symbolischen Kaufpreis gibt es diverse Auflagen, die Käufer erfüllen müssen. So können sie zum Beispiel nicht einfach eine Wohnung erwerben und dann leer stehen lassen oder weiterverkaufen, sie müssen selbst darin wohnen und das auch nachweisen. Die Wohnung muss auf eigene Kosten restauriert werden, was bis zu mehrere Hunderttausende Euro kosten kann. Bei der Sanierung müssen die Auflagen der Aufsichtsbehörde eingehalten werden und die Restaurierung innerhalb von zwei Monaten nach Kauf beginnen.

Obwohl noch nicht offiziell ausgeschrieben, gibt es schon jetzt Interessenten aus Amerika und Europa. Wer eine Wohnung haben will, sollte also schnell sein.