Mafia-Prozess in Rom eröffnet – Anklage gegen Ex-Bürgermeister

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Auch er gehörte im Zuge der Ermittlungen gegen die römische Hauptstadt-Mafia zu den Verdächtigen: Ex-Bürgermeister Alemanno. Am Tag der Eröffnung des Prozesses wurde nun gegen ihn Anklage wegen Korruption erhoben.

Fast zeitgleich mit der Eröffnung des Prozesses gegen die sogenannte Hauptstadtmafia hat die Staatsanwaltschaft in Rom Anklage gegen den früheren Bürgermeister Gianni Alemanno erhoben. Ihm würden Korruption und illegale Finanzierungen vorgeworfen, meldete die Nachrichtenagentur Ansa am Donnerstag. Ein Richter werde am 11. Dezember entscheiden, ob ein Prozess eröffnet werde.

Seit Donnerstag stehen in Rom 46 Angeklagte in einem «Maxi-Prozess» vor Gericht. In dem mit Spannung erwarteten Verfahren geht es um die engen Verbindungen zwischen Politik, Wirtschaft und organisiertem Verbrechen, vor allem in der Regierungszeit Alemannos. Die Anklagepunkte lauten unter anderem auf Bildung einer mafiösen Vereinigung, Korruption, Wucher, Manipulation von Ausschreibungen und Erpressung.

Die «Mafia Capitale» (Hauptstadtmafia), die Ende 2014 aufflog, soll gegen Schmiergelder lukrative Aufträge für ihre Firmen an Land gezogen haben. Unter den Angeklagten sind Personen aus der Unterwelt, Unternehmer, Beamte und Kommunalpolitiker. Die Verteidiger versuchen nachzuweisen, das es sich nicht um eine mafiaartige Vereinigung handelt, was für das Strafmaß wesentliche Bedeutung hat.

Nach Auffliegen der Gruppe war auch gegen Alemanno ermittelt worden. Der frühere Neofaschist war 2008 als Kandidat der Partei PDL von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi zum Bürgermeister gewählt worden und regierte Rom bis 2013. Die Anklage wirft im jetzt unter anderem vor, von dem Unternehmer Salvatore Buzzi, einem der Hauptangeklagten in dem am Donnerstag eröffneten Verfahren, 125 000 Euro Schmiergelder angenommen zu haben. Alemanno hob am Donnerstag hervor, dass der Vorwurf, einer Mafia-Organisation anzugehören, aber fallen gelassen worden sei. Er werde, falls nötig, vor einem Richter seine Unschuld beweisen.

Hauptangeklagter im Großprozess ist der frühere Rechtsterrorist Massimo Carminati. Er sitzt nach dem Antimafiagesetz unter verschärften Bedingungen im Gefängnis in Parma. Außer ihm dürfen auch Buzzi und zwei weitere Angeklagte den Prozess nur per Videoschaltung verfolgen. Nach der Eröffnung in einem Gerichtssaal in der Innenstadt wird der Prozess ab Montag in einem besonders gesicherten Saal am Stadtrand fortgeführt. Bisher sind 135 weitere Verhandlungstage bis Ende Juli 2016 angesetzt, rund 250 Zeugen sollen gehört werden.