Am Mittelmeer herrscht gespenstische Ruhe

0
1076
In "normalen" Zeiten pulsiert das Leben in Sète wie auf diesem Bild. Jetzt bleiben die Bürger zuhause, Touristen gibt es nicht mehr.
article inline
 
 
 

Neuburg/Sète – In der südfranzösischen Mittelmeerstadt Sète sei es „gespenstisch ruhig“.

So beschreibt Stadträtin Jocelyne Cassany die aktuelle Stimmung. Polizei und teilweise auch Soldaten überwachen die von Staatspräsident Emmanuel Macron verhängte Ausgangssperre.

Beim Einkaufen im Supermarkt „Auchan“ war Jean Cassany streng kontrolliert worden, schließlich zählt der 85-Jährige zur Risikogruppe. In der Neuburger Partnerstadt dürfen auch die Strände nicht mehr betreten werden. Baden kann man noch nicht, aber vor der Sperre haben sich häufig junge Leute am Meer getroffen. Restaurants, Cafés und Bars sind zu, Lebensmittelgeschäfte und die Markthalle öffnen zur Versorgung der Bevölkerung. Am Canale Royale und am Hafen pulsiert das Leben, jetzt ist dort wenig los.

Die Viruskrise hat auch die Kommunalwahl in den Hintergrund gedrängt. Am 15. März erreichte der bürgerliche OB-Kandidat Francois Commeinhes – seit 18 Jahren als Oberbürgermeister im Amt – mit 34,8 Prozent das beste Ergebnis der sieben Spitzenkandidaten. Veronique Calueba von den Kommunisten zieht mit 19,2 Prozent gegen ihn in die Stichwahl. Die Sozialisten erreichten 17,6 Prozent. Nun werden voraussichtlich Bündnisse und Empfehlungen für die Stichwahl ausgehandelt. Dazu bleibt den Lokalpolitikern ausreichend Zeit, denn der für den 22. März vorgesehene zweite Wahlgang ist verschoben worden. Als möglicher Ersatztermin ist der 21. Juni im Gespräch. Etliche Kritiker hatten vor Wochen verlangt, die komplette Kommunalwahl zu verschieben.

Wieviele Begegnungen zwischen den Bewohnern der Partnerstädte Sète, Neuburg und Jesenik (Tschechien) heuer noch zustandekommen, hängt vom Verlauf der neuen Krankheit Covid-19 in den betroffenen Ländern ab. In Sète (45 000 Einwohner) soll es bisher nur einen vom Coronavirus Betroffenen geben. In ganz Frankreich spitzt sich die Lage mit einem deutlichen Anstieg der Infektionsfälle noch zu.

Nach einem Bericht des Gesundheitsministeriums in Paris seien bis dato über 16 000 Ansteckungen registriert worden. 680 Menschen seien an der neuartigen Lungenkrankheit gestorben. Besonders betroffen ist das Elsass. Dort sind am vergangenen Wochenende mehrere Schwerstkranke ins benachbarte Baden Württemberg verlegt worden, weil es in Frankreich kaum mehr Intensiv- und Beatmungsplätze gibt.