Plastik-Gestein breitet sich auch im Mittelmeer aus

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Ein weggeworfener verschmutzter Kanister mit Algen bedeckt an einem Strand.

 
 
 

Eine neuartige Mischung aus Plastik und Gestein überzieht immer mehr Küsten. Nun haben deutsche Forscher diese Plastikrusten erstmals auch im Mittelmeer gesichtet.

Wie Sonja Ehlers von der Universität Koblenz-Landau und der freie Wissenschaftler Julius Ellrich im Biologie-Portal „bioRxiv“ berichten, fanden sie das auch als „Plastiglomerat“ bekannt gewordene Material an der Küste der Insel Giglio. Das zur Toskana gehörende Eiland war bereits im Jahr 2012 durch die Havarie des Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ bekannt geworden.

Vor allem Polyethylen gefunden

Nun erlangt es erneut zweifelhafte Berühmtheit, denn die Forscher entdeckten die sogenannten Plastikrusten (bei verbranntem Kunststoffmüll auch als Pyroplastik bezeichnet) am 19. Oktober 2019 auf felsigem Untergrund im Westen der Insel. Bisher waren sie nur außerhalb des Mittelmeers, etwa auf Madeira im Atlantik oder auf Hawaii im Pazifik gesichtet worden.

Die Verschmutzung entsteht durch Ablagerungen von Plastikmüll aus dem Meer, die sich durch das Branden des Meerwassers an die Küste nach und nach mit dem dortigen Gestein verbinden. Beim gefundenen Plastik handelt es sich dabei vor allem um Polyethylen – eine der häufigsten Plastiksorten weltweit.

Warum „Plastikruste“?

Plastikruste wird tatsächlich nur mit einem „k“ geschrieben, weil es die Übersetzung des englischen Begriffs „plasticrust“ ist. Wie Sonja Ehlers erläutert, wurde der Terminus nach dem Fund des Materials auf Madeira erstmals vorgeschlagen und hat sich mittlerweile eingebürgert.

Plastik könnte in die Nahrungskette gelangen

Die große Gefahr bestünde nun darin, so die beiden Wissenschaftler, dass etwa Schnecken oder Krabben Stücke der Plastikrusten aufnehmen und sie dadurch in die Nahrungskette gelangen. Zudem zeigt ihre Studie, dass dieser neuartige Plastikmüll nicht lokal begrenzt ist, sondern am Ende sich wohl auf der ganzen Welt ausbreiten wird.

Wir empfehlen daher weitere Studien, um herauszufinden […], wie dieses potenziell gefährliche Material in die Politik zum Schutz der Meere eingebunden werden kann.
Sonja Ehlers/Julius Ellrich