Wie Israel mit Cloud, Big Data und Algorithmen Wasser spart

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Israel setzt stark auf Wasser-Recycling.

 
 
 

Mit neuen Technologien spielen israelische Firmen beim Wassersparen eine Vorreiterrolle – und leisten damit einen wichtigen Beitrag gegen den Klimawandel.

Tel Aviv Israel gehört nicht eben zu jenen Ländern, die man als mustergültig in Sachen Klimapolitik bezeichnen würde. Im Gegenteil: Das kleine Land, in dem 300 Tage im Jahr die Sonne glüht, deckt seinen Energiebedarf überwiegend mit fossilen Energieträgern. Mehr noch: Das zuständige Ministerium setzt sich sogar für die Förderung der Öl- und Gasindustrie ein.

Doch so unsensibel die Israelis gegenüber ökologischen Themen sind, auf einem Feld leisten sie doch einen wichtigen klimaschonenden Beitrag: Die Israelis sind Weltmeister im sparsamen Umgang mit der überlebenswichtigen und äußerst klimarelevanten Ressource Wasser. „Da Wasser bei uns von Anfang an knapp war“, sagt die Umweltexpertin Ofira Ayalon von der Universität Haifa, „waren wir gezwungen, Lösungen zu finden.“ Von diesem Know-how, meint sie, könnten jetzt nicht nur Länder wie Deutschland profitieren, wo derzeit „Wasserstress“ als ein neuer Konfliktherd wahrgenommen wird. Denn im Jahr 2030, schätzt die UN, werde die Hälfte der Welt keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, falls keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Vor zehn Jahren drohte dem Land noch eine Dürrekatastrophe. Jetzt zeigt die Wasserbilanz einen Überschuss: Wasser wird sogar ins Ausland exportiert. Dass das Land am Rand der Wüste trotz einer rasant steigenden Bevölkerung, eines stolzen Wirtschaftswachstums sowie eines im Vergleich zu früher deutlich höheren Lebensstandards keine Wassernot mehr kennt, ist das Resultat einer Kombination aus vier Maßnahmen: Fortschritte bei der Meerwasserentsalzung, eine rekordverdächtige Quote beim Recycling von Abwasser, ein erfolgreicher Kampf gegen Lecks in den Leitungen und überzeugende Aufrufe zum effizienten Umgang mit dem kostbaren Gut. „In Israel ist Wassersparen Teil unserer DNA“, sagt Ayalon.
Ein Besuch bei Uri Shani, der in den Jahren der großen Dürre bis 2012 die staatliche Wasser- und Abwasserbehörde leitete, hilft zu verstehen, um welche Dimensionen es hier geht. Der 70-Jährige ist ein Pionier beim sparsamen Umgang mit dem Quell des Lebens. Sein Augenmerk galt schon früh der Landwirtschaft, die mehr als 70 Prozent des Wasserkonsums beansprucht – eine „irrsinnige Verschwendung“. Mehr als 50 Prozent des Wassers seien wegen vollkommen veralteter Techniken dabei verloren gegangen, sagt Shani.

Seit diesem Jahr hilft der ehemalige Beamte Shani als Unternehmer, den Wasserkonsum der Bauern zu reduzieren. Er baut dabei auf einer Technologie auf, die bereits vor sechs Jahrzehnten im Kibbuz Hatzerim erstmals angewandt wurde: der Tröpfchenbewässerung. Die Kibbuz-Firma Netafim ermöglicht eine gezielte Versorgung der Wurzeln mit Wasser in kleinen, genau berechneten Mengen. 80 Prozent des im Jahre 1965 gegründeten Unternehmens – mittlerweile beschäftigt es mehr als 4 300 Arbeitnehmer und hat weltweit 29 Tochtergesellschaften sowie 16 Fabriken – wurden im vergangenen Jahr für rund 1,5 Milliarden Dollar an den mexikanischen Chemieriesen Mexichem verkauft.

Das Projekt

Ein Besuch bei Uri Shani, der in den Jahren der großen Dürre bis 2012 die staatliche Wasser- und Abwasserbehörde leitete, hilft zu verstehen, um welche Dimensionen es hier geht. Der 70-Jährige ist ein Pionier beim sparsamen Umgang mit dem Quell des Lebens. Sein Augenmerk galt schon früh der Landwirtschaft, die mehr als 70 Prozent des Wasserkonsums beansprucht – eine „irrsinnige Verschwendung“. Mehr als 50 Prozent des Wassers seien wegen vollkommen veralteter Techniken dabei verloren gegangen, sagt Shani.

Seit diesem Jahr hilft der ehemalige Beamte Shani als Unternehmer, den Wasserkonsum der Bauern zu reduzieren. Er baut dabei auf einer Technologie auf, die bereits vor sechs Jahrzehnten im Kibbuz Hatzerim erstmals angewandt wurde: der Tröpfchenbewässerung. Die Kibbuz-Firma Netafim ermöglicht eine gezielte Versorgung der Wurzeln mit Wasser in kleinen, genau berechneten Mengen. 80 Prozent des im Jahre 1965 gegründeten Unternehmens – mittlerweile beschäftigt es mehr als 4 300 Arbeitnehmer und hat weltweit 29 Tochtergesellschaften sowie 16 Fabriken – wurden im vergangenen Jahr für rund 1,5 Milliarden Dollar an den mexikanischen Chemieriesen Mexichem verkauft.

Netafims Technologie hat allerdings einen Nachteil: Weil Pumpen erforderlich sind, ist sie, vor allem in der Dritten Welt, zu teuer. Deshalb stellt Shani mit seinem im Januar gegründeten Start-up N-Drop das Verfahren auf eine neue Basis, die kostengünstiger sein soll. Statt auf Pumpen setzt er auf die Schwerkraft, um das Wasser durch die Schläuche zu schleusen. Auf diese Weise lasse sich auch verhindern, dass das System durch Schmutz verstopft und des Öfteren ersetzt werden muss. Mit seiner Erfindung, schwärmt Shani, lasse sich in der Landwirtschaft nicht nur in Israel, sondern weltweit Wasser sparen.