Hälfte der Hai- und Rochenarten im Mittelmeer bedroht

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Neben der Fischerei gefährdet auch Müll das Leben der Tiere.

 
 
 

Der WWF warnt in einem Bericht, Tierpopulationen im Mittelmeer seien zunehmend gefährdet. Durch Fischerei und Plastik sei jede zweite Hai- und Rochenart bedroht

Über die Hälfte aller Hai- und Rochenarten im Mittelmeer ist nach Angaben der Tierschutzorganisation WWF bedroht. Ein Drittel sei bereits „bis an den Rand der Ausrottung befischt“, heißt es in dem am Freitag veröffentlichten WWF-Bericht. Der besorgniserregende Zustand dieser Raubfische signalisiere klar, dass die Gesundheit des Mittelmeers insgesamt schwinde. Überfischung sei die größte Bedrohung. Gefährdet sind im Mittelmeer laut WWF 23 Hai- und 16 Rochenarten – und damit rund 53 Prozent. Weltweit seien 17 Prozent der Hai- und Rochenarten bedroht.

Der WWF fordert ein besseres Management und die Regulierung der Hai-Fischereien, vor allem die Umsetzung bereits bestehender Schutzmaßnahmen. Insbesondere geschützte Arten sowie stark gefährdete Arten seien auf die rigorose Umsetzung angewiesen. „Die Datenaufnahme und Kontrolle von Fängen muss verbessert, Beifänge reguliert und besonders wichtige Lebensräume, wie Geburts- und Aufzuchtgebiete geschützt werden“, betonte der WWF.

Gefangen in den Netzen

Seit der letzten Bestandsaufnahme vor zehn Jahren habe sich die Situation verschlechtert: „Das Mittelmeer ist für Haie und Rochen ein gefährlicher Lebensraum geworden“, warnt Heike Zidowitz, Hai-Expertin beim WWF Deutschland. Der Mensch habe seit Tausenden von Jahren eine enge kulturelle und fischereiliche Beziehung zu diesen Arten im Mittelmeer. „Jetzt drohen sie unter dem Druck der Fischerei zu verschwinden.“

Während Dorn- und Glatthaie noch gezielt befischt werden, enden andere Arten häufig als lukrativer Beifang. Der WWF hält dabei alle Fischereimethoden für mitverantwortlich: Die im Mittelmeer vom Aussterben bedrohten Blauhaie endeten massenhaft an den kilometerlangen Köderleinen für Schwert- und Thunfisch. Ringwadennetze, mit denen Schwärme von Blauflossenthun umzingelt werden, fangen manchmal auch den geschützten Weißen Hai.

In Schleppnetzen seien regional bis zu 74 Hai- und Rochenarten nachgewiesen worden. Auch die Sportfischerei habe nicht zu unterschätzende Auswirkungen auf mindestens 20 Prozent der Arten. Verbreiteter Etikettenschwindel verschärfe die Bedrohung noch: „Das Fleisch von Haien wird oft als hochpreisiger Schwertfisch verkauft. Viele Konsumenten bemerken diesen Betrug gar nicht“, berichtete Zidowitz.

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Haie und Rochen sogenannte K-Strategen sind. Bei der Fortpflanzung setzen diese auf vergleichsweise niedrige Zahlen beim Nachwuchs, der umso mehr Zeit bekommt, sich zu entwickeln. Das sichert normalerweise eine umso höhere Überlebensrate bei den Jungtieren. Der Nachteil: Einbrüche in der Population können nur schwer wieder ausgeglichen werden. Nur wenige Jahre des Überfischens könnten den Tierbestand so schnell dezimieren, hält der Bericht fest. Die Population könne sich danach nicht mehr regenerieren.

Gefahr durch Plastik

Plastikmüll sei eine weitere für Haie unterschätzte Gefahr, wie eine gerade veröffentlichte Studie zeige. Auch Haie verhedderten sich in treibendem Kunststoffmüll und verendeten oft qualvoll, so Zidowitz. Das Mittelmeer sei eines der am stärksten mit Plastikmüll verschmutzen Meere. Einer weiteren Studie zufolge hatte mehr als ein Viertel der untersuchten Blauhaie Plastikteile verschluckt.

Über 80 Hai- und Rochenarten leben inzwischen im Mittelmeer, ein Teil ist dort aber nicht heimisch und wurde daher für den WWF-Bericht nicht bewertet. Zu den meistbedrohten Arten gehören Mako-, Blau-, Herings- und Hammerhai sowie alle drei Engelhaiarten und der Weiße Hai. Von den Rochenarten sind Schmetterlings-, Glatt- und Sägerochen am stärksten gefährdet.

Hauptfangländer sind Libyen (4260 Tonnen) und Tunesien (4161 Tonnen). Sie fischen etwa dreimal so viel Hai wie Italien (1347 Tonnen) und Ägypten (1141 Tonnen)