Redigaffi ist der erste 100-Punkte-Wein aus Italien

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Das Weingut Tua Rita ist Kult! Dort keltert Stefano Frascolla einen der besten Merlots der Welt: Redigaffi, der erste 100-Parker-Punkte-Wein Italiens.

Die Region ist abgeschieden. Wer vom italienischen Bordeaux-Assemblagen-Eldorado Bolgheri nach Suvereto fährt, muss 32 Minuten für die 32 Kilometer einkalkulieren. Man verlässt nämlich die Schnellstrasse Via Aurelia in Venturina – und dann wird es hügelig.

Tua-Rita-Besitzer Stefano Frascolla hat an jenem Tag nicht alle Zeit der Welt für die Besucher aus der Schweiz. Konsultant Luca d’Attoma, der auch Le Macchiole oder Duemani berät, ist im Haus. Das Önologenteam bespricht an diesem Tag nämlich einige Abfüllungen. Und so ist es Gutsgründerin Rita Tua, die uns später durch die Degustation führt. Welche Ehre und welch grossartiges Vergnügen!

Von Wochenend-Winzern zu Wein-Superstars

Kurz zur Geschichte und zu den Menschen: 1984 gründen, eben, Rita und ihr Ehemann Virgilio Tua das Gut, als sie das Farmhaus in Suvereto kaufen. Sie machen es zu ihrem kleinen Paradies, pflanzen 1988 die ersten Reben und keltern auf diesen zwei Hektaren die ersten Weine. Zuerst nur für die Familie, als Wochenend-Winzer, denn sie leben in Piombino.

Nach und nach erhöhen sie die Parzellenzahl und beginnen Wein zum Verkauf zu machen. Darunter einen Merlot aus Lagen gleich hinter dem Anwesen: Redigaffi! Ein Wein, der zu den besten Italiens, ja der Welt, werden sollte. Das Gut übernehmen nach und nach Stefano Frascolla und seine Gattin Simena, die Tochter von Rita und des 2010 verstorbenen Virgilio.

Blattgrün aufgerollt, Schösslinge gewickelt

Was aber ist das Geheimnis der Qualität von Tua Rita? Stefanos persönliche Assistentin Chiara Biondi erklärt im Interview mit BLICK: «Es ist dieser Boden, roter Marmor, wie er hier heisst. Viel Schiefer, der so richtig rot ist. Diese Böden verleihen unseren Weinen die unnachahmliche Mineralität.» Die sich dann in einer enormen Frische äussert. Historisch sind die nahen Berge verantwortlich für die Böden von Tua Rita, die Colline Metallifere, Eisenhügel, wo früher tatsächlich Eisenerz abgebaut wurde.

«Dann schneiden wir kein Blattgrün», so Biondi weiter. «Alles wird aufgerollt, um die volle Photosynthese-Power zu haben. So entsteht eine richtige Blattwand.» Und noch etwas ist auf Tua Rita anders als auf anderen Gütern. Sie würden die Schösslinge, also die aus dem Wurzelstock wachsenden Triebe, nicht mehr abschneiden, sondern oben um den Drahtrahmen wickeln, erläutert Önologin Giulia Härri: «So bringen wir die Reben in ein besseres Gleichgewicht.» Härri? Ihre Mutter stammt aus dem Piemont, der Vater ist gebürtiger Tessiner, der in Wädenswil Önologie studiert hat.

Dass alles von Hand gemacht wird, muss nicht speziell erwähnt werden. Das ist Pflichtprogramm, um Weine von solcher Finesse zu kreieren. Erwähnenswert sind aber diese zwei Dinge: Nur acht Prozent der Weine werden in Italien verkauft. 92 Prozent gehen ins Ausland. Und alle Weine sind IGT Toscana, also quasi Tafelweine. Warum? Biondi sagt: «Weil die DOC Suvereto kein Mensch kennt.» Die Toskana hingegen schon.