Wer darf „mazedonischen Wein“ verkaufen?

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Trotz Beendigung des jahrzehntelangen Namensstreit zwischen Griechenland und Nordmazedonien, bleiben noch Fragen. Etwa: Wer darf „mazedonischen Wein“ verkaufen? Die Griechen, die Nordmazedonier, sogar die Bulgaren?

Wesentliche Fragen im Vertrag von Prespa, der erst Mitte Februar in Kraft getreten ist, sind noch nicht ausreichend oder gar nicht geklärt. Bezüglich der Nutzung von Warenmarken und Warenzeichen sieht der Vertrag lediglich vor, dass sich beide Seiten im Rahmen eines „aufrichtigen Dialogs“ bemühen sollen, zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Dabei soll auch eine internationale Expertengruppe helfen und innerhalb der nächsten drei Jahre Ergebnisse liefern.

Dabei sind jedoch neue Spannungen vorprogrammiert. Einen Vorgeschmack lieferte die internationale Weinmesse Prowein in Düsseldorf (17.-19. März). Die Teilnahme der „Association Wines of Macedonia (WOM)“, die die nordmazedonischen Weinhersteller repräsentiert, brachte die griechischen Aussteller auf die Barrikaden. Diese beschwerten sich schon im Vorfeld der Messe bei Prowein und forderten, dass sich der Aussteller an den Vertrag von Prespa und den darin vorgesehenen Vereinbarungen hält.

Die Patentfrage

„Was wir wollen ist, dass die Weine aus Nordmazedonien auch so heißen, und dass unsere Weine Mazedonische Weine heißen, so wie es auch seit nun 20 Jahren auf EU-Ebene patentiert wurde“, meint Stelios Boutaris, einer der bekanntesten Weinhersteller Griechenlands, Sohn des Gründers von Boutaris Wines und Bürgermeisters von Thessaloniki Yannis Boutaris. Tatsächlich ist der „mazedonische Wein“ ein in der EU eingetragenes Produkt mit sogenannter „Geschützter Geografischer Angabe“, so wie zum Beispiel die „Thüringer Rostbratwurst“. Dies bedeutet, dass nur Weine aus der Region Makedonien in Griechenland und sogar aus ganz bestimmten Rebsorten auch so heißen dürfen.

Die „Association Wines of Macedonia“ hat jedoch eine andere Interpretation. „Wir verkaufen schon seit Jahrzehnten Weine aus Mazedonien und hoffen, dies auch in 10 und 20 Jahren weiterhin machen zu dürfen.“ Ein Vertreter von WOM, der namentlich nicht genannt werden wollte, meinte, die Bezeichnung „Wines of Macedonia“ sollte von allen benutzt werden dürfen, also von den Griechen, den Nordmazedoniern und sogar von den Herstellern in Bulgarien, wo auch ein Teil des antiken Makedoniens liegt. Wie würde aber in diesem Fall der Konsument die verschiedenen Produkte richtig unterscheiden können? „Ganz einfach: Auf dem Etikett steht immer das Herkunftsland, in diesem Fall, Produkt of North Macedonia oder Product of Greece“. Man könnte sich ein Beispiel an den Deutschen, Franzosen und Luxemburgern nehmen, schlägt ein nordmazedonischer Weinhersteller vor. „Die Mosel durchquert alle drei Länder und somit dürfen alle Weine von der Mosel verkaufen.“

Eingetragene und geschützte Marke

Solche und weitere Argumente werden bestimmt auf den Tisch kommen, wenn die Verhandlungen zwischen beiden Seiten demnächst beginnen, so wie es der Vertrag von Prespa vorsieht. Diese werden aber bestimmt nicht leicht werden. Theoretisch hat die griechische Seite die besseren Karten. Sie kann sich auf die Tatsache beziehen, dass die Bezeichnung „mazedonische Weine“ bereits seit zwei Jahrzehnten eine eingetragene und geschützte Marke ist. Des Weiteren könne sie, so griechische Hersteller, Nordmazedonien mit einer Blockade des EU-Beitritts drohen, falls das Land nicht nachgebe.

Das kleine Balkanland wird aber so schnell nicht aufgeben. Es hat zwar kein vergleichbares juristisches Argument, es könnte sich aber auf rein Wirtschaftliches beziehen. In den letzten Jahrzehnten hat sich Nordmazedonien eine starke marktpolitische Position erkämpft und gesichert. „Fragt man die Deutschen nach ´Wein aus Mazedonien´ zeigen die meisten auf das heutige Nordmazedonien und nicht auf Griechenland“, geben selbst griechische Winzer zu. Dies sei das Ergebnis einer exportorientierten Strategie, die die Griechen nicht mit demselben Elan verfolgt hätten.

Trotz der unterschiedlichen Positionen und der erwarteten Spannungen sind die Weinhersteller aber auf beiden Seiten zuversichtlich. Es müsse eine Lösung gefunden werden, denn dies ist für beide Seiten von Vorteil, so das Plädoyer sowohl der griechischen als auch nordmazedonischen Weinhersteller gegenüber der DW.