Graphic-Novel: „Liebe deinen Nächsten“ – Comic über Flüchtlingshelfer im Mittelmeer

In der Graphic-Novel "Liebe deinen Nächsten" zeichnet Peter Eickmeyer die Ereignisse auf einem Seenotrettungsschiff. (Peter Eickmeyer / Splitter Verlag)

Gaby Borstel und Peter Eickmeyer im Gespräch mit André Hatting

Tuschezeichnungen und Interviews – um die Seenotrettung von Flüchtlingen zu dokumentieren, wählten Gaby Borstel und Peter Eickmeyer mit der Graphic Novel ein ungewöhnliches Format. Drei Wochen verbrachten sie für ihr Buch „Liebe deinen Nächsten“ an Bord eines Rettungsschiffes.

Völlig erschöpfte Menschen in überfüllten Schlauchbooten – die Bilder der von Flüchtlingen, die aus dem Mittelmeer gerettet werden, kannten Gaby Borstel und der Grafiker Peter Eickmeyer lange Zeit nur aus den Medien. Das änderte sich, als sie dem Historiker und Kapitän Klaus Vogel begegneten, der SOS Mediterranee gegründet hatte, um Flüchtlinge aus dem Mittelmeer zu retten. Das Engagement des Kapitäns beeindruckte Peter Eickmeyer:

„Sein Credo war einfach: ‚Was bin ich? Kapitän. Was seh‘ ich? Menschen ertrinken. Was tue ich? Ich fahre los und rette sie!'“

Peter Eickmeyer beschloss, sich ebenfalls zu engagieren. Doch was tut man, wenn man kein Boot hat? Man greift zum Stift.

„Wir sind keine Seemänner, aber wir haben uns die gleiche Frage gestellt. Und wir haben überlegt, man kann dieses Thema auch anders angehen als es jetzt kurze Nachrichten oder Zeitungsberichte schaffen.“

Im Juni 2016 heuerten Gaby Borstel und Peter Eickmeyer an Bord der MS Aquarius an. Ihr Ziel: Die Arbeit der Seenotrettung zu dokumentieren und im Form einer Graphic Novel über die Dramen, die sich auf dem Mittelmeer abspielen, berichten. Zwei Tage dauerte es, bis das Schiff von Italien aus die sogenannte Rettungszone im Mittelmeer erreichte. Zwei Tage, in denen sich die Crew auf den Ernstfall vorbereitete.
Ab Mitte des Buches ändert sich der Stil

Die Vorbereitungsphase spiegelt sich auch im Aufbau der Graphic Novel wieder: Im ersten Teil des Buches werden die Vorbereitungen und der Alltag der Crew beschrieben. Es wird erzählt, was alles auf einem Rettungsschiff passiert, wenn nichts passiert. Neben den, im Computer bearbeiteten, Zeichnungen gibt es auch Interviews, die Gaby Borstel unter anderem mit einer Ärztin von Ärzte ohne Grenzen führte:

„Das ist eine Frau, die schon an allen Krisenpunkten dieser Welt geholfen hat. Es war schon sehr beeindruckend, ihre Geschichte zu hören, und wie sie von diesen ganzen Einsätzen erzählte.“

Nach langem Warten erlebten schließlich auch Borstel und Eickmeyer, wie Flüchtlinge aus Seenot gerettet werden. Für Eickmeyer war die Begegnung mit den Flüchtlingen beeindruckend:

„Das ist wirklich ein ganz besonderer Moment, weil man hat diese ganze Rettungsprozedur beobachtet. Und ab dem Moment hat man wirklich mit den Menschen zu tun. Die haben die schlimmsten Sachen in Syrien erlebt und kommen dann erstmal an Bord zur Ruhe.“

Die Rettung der Flüchtlinge bildet auch in der Graphic Novel eine Zäsur. Der Stil der Bilder verändert sich. Sind es in der ersten Hälfte des Buches noch eingescannte und im Computer bearbeitete Tuschezeichnungen, verzichtet Eickmeyer im zweiten Teil auf die Bearbeitung im Computer.

„Ab der ersten Rettung war das unmittelbarer. Ich wollte den Computer als Distanz nicht mehr dazwischen haben. Ab da sind diese Bilder unmittelbarer erstellt, also direkt gemalt.“

Während der Rettungsaktion selber fotografierte Eickmeyer nur. Die Skizzen enstanden erst später, als die Flüchtlinge an Bord zur Ruhe gekommen waren und Eickmeyer Zeit hatte, sich mit ihnen zu unterhalten und sie zu zeichnen. In seinen Zeichnungen spiegelt sich seine Haltung zu den Ereignissen wider:

„Wenn man sich damit beschäftigt, passiert mit einem selbst natürlich etwas anderes, als wenn ich fotografiere. Nach der ersten Rettung wollte ich Skizzen machen. Ich merkte dieses Zeichnen ist in diesem Moment falsch. Als die Leute sich erholt hatten und zur Ruhe gekommen waren, da konnte ich ins Gespräch kommen, hab skizziert.“

Die Rettung und die Begegnung mit den Flüchtlingen beschreibt Eickmeyer auch als „Einbruch der Wirklichkeit“.

„Ab diesem Moment war es für uns wirkliches Geschehen und nicht einfach nur ein Zeitungsartikel oder die Tagesschau.“



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