Kulinarischer Herbst-Ausflug nach Menorca

Menorca ist immer eine Reise wert, speziell aber, seitdem der Residentenrabatt auf Flüge und Fähren noch einmal erhöht worden ist. Mit Glück kann man jetzt für unter 30 Euro (Hin- und Rückfahrt) mit dem Auto die Baleària-Fähre nutzen. Der Höchstpreis liegt für die Fahrt – ebenfalls mit Auto – bei zirka 65 Euro. Kulinarisch kann sich Menorca zwar nicht über ein Sternerestaurant freuen, aber es gibt jede Menge exzellenter Gaststätten. Einige davon hatten wir in einer dreiteiligen Reihe im Mai 2015 vorgestellt. In dieser und der nächsten Woche präsentieren wir Ihnen weitere empfehlenswerte Restaurants.

Kochendes Duo mit Wurzeln

Den eigenen menorquinischen Wurzeln (rels) huldigen – mit modernen Methoden und Verfeinerungen – ist das Motto zweier junger Köche im Restaurant Rels in Ciutadella, die in den ehemaligen Räumlichkeiten des weiterhin sehr guten Restaurants Smoix von Miquel Sánchez (wir berichteten 2015) residieren, das sich jetzt an der Avinguda Conqueridor befindet. Die Kreativität von Joan Bagur und Toni Taltavull, die beide in ihrer Vita in den besten Restaurants gelernt und gekocht haben, macht auch vor Klassikern nicht halt.

So zu schmecken beim Carpaccio von gekochten manitos de cerdo (Schweinefüßchen) mit Kürbiscreme, Pilzen und Mandeln, beträufelt mit Olivenöl oder einem gefüllten Kaninchen mit Zwiebeln, Möhren und Kapernsauce. Auch für ihre individuellen cocas sind sie bekannt, wie der Belag mit caballa (Makrele), geschmortem Gemüse und Romesco-Sauce zeigt. Wenn es kälter wird, gibt es zudem delikate Suppen wie die weiße Bohnensuppe mit verschiedenen Wurstsorten (sobrassada, butifarrón negre). Die kreative Küche der beiden, die Inselproduzenten beim Zutaten-Einkauf den Vorrang geben, ist zudem bezahlbar (z.?B. Dreigang-Mittagsmenü für 18 Euro).

C/. Sant Isidre, 33, Ciutadella. Tel.: 971-48 05 16, FB: Rels Restaurant.

Familienunternehmen in traditioneller Umgebung

Nahe bei Ferreries liegt Hort de Sant Patrici. Hier werden gleich mehrere lukullische und sogar künstlerische Bedürfnisse befriedigt. Als das Ehepaar Jeronima, eigentlich eine studierte Kunstwissenschaftlerin, und Lluis Casals, er hat Fotografie und Touristik studiert und entstammt einer Hoteliersfamilie, die weitläufige Finca vor rund 40 Jahren kauften, gab es dort nur ein ruinöses, aber denkmalgeschütztes Haus von 1919, das sie mit viel Stilgefühl und Respekt vor der Bausubstanz renovierten. Gleichzeitig starteten sie mit eigenen Kühen und später auch zusätzlich zugekaufter Milch eine traditionelle Käseproduktion.

Von Anfang an war klar: Athentizität steht im Vordergrund. Somit wird der Käse bis heute von Hand unter Nutzung des fogassers (spezielles Baumwolltuch) gemacht. Von Frischkäse (brossat) über mittelreifen (3 Monate) und reifen Käse (9 Monate) bis hin zum Rohmilchkäse (10 Monate) und speziellen Varianten (geräucherter Käse, mit Kapern und mit Rosmarin) sind verschiedene Käsesorten im Angebot. „Wir machen allerdings lieber weniger Käse, aber dafür sehr guten“, sagt Jeronima Casals, die mit ihrer Firma natürlich auch Mitglied der Käse-Kontrollbehörde D.O. Mahón ist. Gleiches gilt auch für ihren Wein, von dem sie nur 8.000 bis 9.000 Flaschen pro Jahr herstellen. 1999 wurden die ersten Weinstöcke gepflanzt, 2003 der erste Wein verkauft, der ihren Ansprüchen genügte. Mittlerweile haben sie mit ihren Tropfen (je ein Weiß- und ein Roséwein plus drei Rotweine) schon etliche Preise gewonnen wie zuletzt für ihren aus der Rotweintraube Merlot gekelterten Weißwein.

Als Besucher kann man alles gratis besichtigen (es gibt ein kleines Käsemuseum sowie informative Filmchen) oder eine zweistündige Führung mit Degustation buchen (9 Euro). Im Hofladen kann man ihre Produkte kaufen. Komplettiert wird das Areal durch eine Skulpturenausstellung internationaler Künstler im Garten (seit 2003) sowie durch ein kleines Hotel (8 Zimmer, seit 2008) mit einem Restaurant (seit 2014), das jedermann offen steht. Hier wird regional und saisonal gekocht. Fast alle Produkte stammen von Fincas der Umgebung, Fischern des Vertrauens und natürlich aus eigener Produktion wie der Käse der Käsecreme, die die mit botifarrón gefüllten Auberginen samt hausgemachter Zwiebelmarmelade begleitet oder die Trauben für die Traubensauce, die zum Spanferkel mit Kartoffelgratin gereicht wird. Weitere Beispiele sind Menorca-Muscheln mit Schnittlauch-Mayonnaise oder ­Tintenfisch-Albondigas mit Safran, der von Omar Zola aus Es Mercadal kommt, einem der beiden Safran-Produzenten der Insel (FB: iSafra). Neben dem erfahrenen Koch Lluís Marquéz, der zuvor über 15 Jahre im renommierten Restaurant Café Balear kochte, kümmert sich vor allem Sohn David um Küche und Hotel, beides hat bis zum 30. Oktober geöffnet, bevor eine Winterpause bis Mitte März eingelegt wird.

Camí de Sant Patrici, s/n, Ferreries, Tel.: 971-37 37 02, www.santpatrici.com.

Mexikaner mit mediterranem Gusto

Das „Schwesterhotel“ vom hiesigen Cap Rocat heißt Torralbenc und wurde auf der Basis einer 200 Jahre alten Finca mit 70 Hektar Land errichtet. Stilvoll, luxuriös und ohne jeden Nachbarn, aber mit traumhaftem Garten, Meeresblick, großem Meerwasser-Infinity-Pool, Spa und einem Raumduft, der von der auf Mallorca lebenden Parfüm- und Seifenmeisterin Trudi Murray (Gaia Bathtime) kreiert wurde. Das Anwesen liegt rund elf Kilometer westlich von Mahón. Man wohnt in den 27 Zimmern und Suiten elegant, wobei sowohl die traditionelle Bauart als auch ­rustikale Elemente vom mallorquinischen Architekten Antonio Esteva inte­griert wurden. Kunst darf auch hier  – ebenso wie im Cap Rocat – nicht fehlen.

Verantwortlicher, aber vorrangig beratender Küchenchef ist der baskische Sternekoch GorkaTxaportegi. Ausführende Kraft ist der Mexikaner Luis Loza, der sich, so auch das Credo des Hauses, der regionalen Küche verpflichtet sieht und sein Faible für die Gastronomie von seiner Mutter, einer Konditorin, geerbt hat.

Gespeist wird im Sommer meist draußen rustikal im BBQ-Stil, zu anderen Jahreszeiten edel im Restaurant mit Gerichten wie aufgeschnittener Jakobsmuschel auf Mandelpüree mit Tomaten-tartar, einer Salmorejo mit in Salz und Zucker marinierten Garnelen und Gemüse oder einem perfekt gewürzten arroz mit Tintenfisch, Kalmar, Kaisergranaten und Garnelen. Hinzu kommt die eigene Olivenöl- und Weinproduktion (Rot-, Rosé- und Weißwein).

Ctra. Maó–Cala Ca’n Porter, km 10, Alaior. Tel.: 971-37 72 11, www.torralbenc.com.

Von der Mode-Managerin zur Top-Köchin

Tere Montesinos hat Kunstgeschichte studiert und war Managerin in einer Modefirma. Ihr Mann Aleix Pagán war Ingenieur mit Schwerpunkt erneuerbarer Energien. Doch die Leidenschaft des katalanischen Paars brannte und brennt für die Gastronomie, daher besuchte sie schon während ihres vorherigen Berufslebens viele Kochkurse und machte einen zweijährigen Önologie- und Sommelierkurs. Schließlich reifte der Entschluss: Wir ändern unser Leben! Und da sie schon seit fast einem Vierteljahrhundert regelmäßig Menorca besuchten, wurde Menorca ihr neuer Lebensmittelpunkt.

Am Hafen von Mahón eröffneten sie im Juni 2014 ihr helles und freundliches Passió Mediterrània, eine Perle mit Montesinos am Herd und Pagán als Servicechef. Das Konzept dafür war schon lange klar, denn zum Abschluss ihres Önologiekurses sollten die Teilnehmer ein gastronomisches Projekt entwerfen – inklusive Namen, inhaltlichem Konzept, Optik und Businessplan. Genau dies setzten sie um. Mit Erfolg, denn die kreativ-witzige Küche von Montesinos hat viele Fans.

Auch sie lässt sich stilmäßig nicht in Schubladen stecken, was spannende Gerichte zeigen wie Thunfisch-Tataki mit Rote-Bete-Chutney und Avocadocreme, Seehecht in Algen- und Knuspermantel mit Plankton-Sauce, Salat Ses Illes mit Bio-Gemüse, Kapern, Meerfenchel, Sobrassada-Mayonnaise und Ei, und auch den menorquinischen Klassiker arròs de la terra mit Buchweizen statt Reis kann man nach Vorbestellung genießen – allerdings modern und sehr eigen interpretiert.

Moll de Llevant, 298, Mahón. Tel.: 971-35 47 04, FB: Passió Mediterrània.



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