Italien setzt auf sein Wein-Erbe

0
10398

 
 
 

Es präsentiert sich noch unser südlicher Nachbar Italien. Das «Bel Paese» hat einige interessante Marketing-Aktivitäten im Köcher.

Wie stark wurden Sie in den letzten Wochen vom Sommergeschäft beansprucht?

In den letzten Wochen war es relativ ruhig. Viele unserer Kollegen sind schon seit einiger Zeit in den Ferien. Wir sind allerdings ja auch nicht ein klassisches Tourismusbüro: Wir sind die Italienische Handelskammer in der Schweiz. Generalsekretär Fabrizio Macri (Bild) kümmert sich im Rahmen seiner Tätigkeit auch um die touristische Vermarktung Italiens in der Schweiz.

Was stösst derzeit in Ihrem Land derzeit auf das grösste Interesse?

Die Welt erwartet von Italien, dass vermehrt Angebote im Nischentourismus für das High-End-Segment angeboten werden. Der Fokus liegt dabei klar auf Kultur, also auf Angebote in den Bereichen Kunst, Musik, Geschichte und Archäologie, aber auch auf Gastronomie und dem Weinbau. Natürlich gehören auch Strandferien weiterhin zu den wichtigen Themen, dazu vermehrt auch erlebnisorientierte Ferien, während denen zum Beispiel Kochkurse oder Weindegustationen besucht oder sogar Sommelier-Kurse belegt werden.

Welches ist das grosse Thema, das auf Sie zukommt in den nächsten Monaten?

In den kommenden Monaten legen wir unser Augenmerk auf die Promotion italienischer Weine und Weinregionen. Wir werden dafür sowohl im B2B- als auch im B2C-Bereich verschiedene Anlässe durchführen, zum Beispiel das «Taste of Italy» in Basel am 19. Oktober. In Italien bieten wir parallel dazu Consultingdienste für Weinproduzenten an, welche den Schweizer Markt entern oder ihre Präsenz in diesem erhöhen wollen. In Bezug auf Tourismus im klassischen Sinne werden wir unsere Aktivitäten auf zwei Anlässe im September fokussieren: Eine Studienreise für Schweizer Reiseveranstalter und Reisebüros nach Kalabrien, sowie einen B2B-Event in Genf am 12. September, bei welchem italienische Destinationen aus dem ganzen Land auf Schweizer Einkäufer treffen werden.

Welche Bedeutung misst Ihr Hauptsitz dem Schweizer Markt zu?

Die Schweiz ist für Italien ein hoch profitabler Markt. In Bezug auf italienische Exporte ist es der sechstgrösste Abnehmermarkt, nach Deutschland, Frankreich, den USA, Grossbritannien und Spanien. Bricht man dies auf einen Pro-Kopf-Import von italienischen Produkten herunter, ist die Schweiz sogar Nummer 1. Da sprechen wir vor allem von italienischen Lifestyle-Produkten, welche in der Schweiz gekauft werden, wie Mode, Nahrungsmittel, Kosmetik oder Autos. Dieser Konsum beeinflusst den Tourismus nach Italien massgeblich. Die Beliebtheit italienischer Produkte hat dazu beigetragen, dass Italien mittlerweile die drittbeliebteste Feriendestination der Schweizer ist.

Wie viele Leute arbeiten bei Ihnen?

Die Italienische Handelskammer in der Schweiz hat 14 Angestellte. In gewissen Ländern, darunter Deutschland, ist immer noch das staatliche italienische Fremdenverkehrsamt ENIT für die touristische Vermarktung zuständig. Wie viele Personen dort angestellt sind, entzieht sich unserer Kenntnis. In der Schweiz jedenfalls ist die Handelskammer zuständig, seit das Zürcher ENIT-Büro geschlossen wurde.

Und wo verbringen die Mitarbeitenden der italienischen Handelskammer in Zürich ihre eigenen Sommerferien?

Ich kann nur für mich sprechen (Fabrizio Macri): Ich werde meine Ferien in Kalabrien verbringen. Ich habe mich für diese Region entschieden, weil sie eine unglaubliche Kombination aus archäologischen und historischen Sehenswürdigkeiten, wunderbaren Stränden, tollen Weingütern, tiefen Preisen und spannenden, familiengeführten Unterkunftsmöglichkeiten bietet. Kalabrien ist zwar die ärmste Region Italiens, doch die dramatische Landschaft mit Bergen und Meer, mit viel Sonne und blitzsauberem Wasser, machen es zu einer unwiderstehlichen Destination für abenteuerlustige Reisende aus aller Welt und natürlich aus der Schweiz.