Ungeliebte Urlauber in Italien

Als ein Polizist den jungen Mann am Trevi-Brunnen festnahm, war es schon geschehen: Splitternackt hatte er mitten am Tag unter dem Applaus der Menge im Barockbecken mit den steinernen Göttern ein Bad genommen. Die Imitation der Szene Anita Ekbergs aus Federico Fellinis „La dolce vita“ kostete ihn 450 Euro Bußgeld.  Die Stadt Rom kämpft seit Jahren gegen Vandalen unter den  wachsenden Touristenmassen. Erfolglos.

Die jüngsten Übergriffe auf Weltkulturerbe-Denkmäler wie den Trevi-Brunnen heizen die Debatte über den Umgang mit dem Massentourismus in ganz Italien an. Neben Rom sind vor allem Florenz und Venedig davon betroffen.

„Am Trevi-Brunnen arbeiten wir an Besucherkorridoren, die das Stehenbleiben verhindern“, sagt Bürgermeisterin Virginia Raggi.  Renato Borghi von Roms Handelsverband fordert, die vielen Denkmäler strenger zu bewachen. „Die Verrohung erfordert entschiedene Aktionen, die vielleicht repressiv wirken, aber das einzige Gegengift sind.“

Allein 2016 ist die Zahl der Touristen in Rom um knapp 7 Prozent gestiegen. Gegen Horden von Billigtouristen, die betrunken Kunstwerke beschmieren und beklettern, will die Stadtverwaltung in Urlauber mit gut gefüllten Geldtaschen investieren. „Gegen Flegel, die nur verschandeln, braucht es Qualitätstourismus“, sagt der für Handel zuständige Stadtrat Adriano Meloni.

In der Innenstadt machen sich dennoch die Läden mit Billigsouvenirs aus Fernost und Fast- Food-Lokale breit, die in winzigen Läden meterweise Pizza to go anbieten. Wenn Polizisten sie nicht daran hindern, bringen Touristen sie in großen Pappschachteln zur Spanischen Treppe – und lassen sie dann gleich da liegen.

Venedig geht gegen halbnackte Touristen vor, die auf den Stufen des Markusplatzes picknicken. Unter dem Hashtag #WelcomeToVenice veröffentlicht die Stadtverwaltung in sozialen Netzwerken Benimmregeln bis hin zur Anweisung, sich in den Gassen rechts zu halten und auf Brücken nicht stehenzubleiben. Auch sei das Baden in den Kanälen nicht gestattet, Picknick auf dem Markusplatz schon gar nicht.

„Wir suchen nach einem neuen Gleichgewicht zwischen dem Tourismus und der Stadt“, sagt die venezianische Stadträtin für Tourismus, die Architektin Paola Mar. Auf weniger als 60 000 Bewohner kommen jährlich 30 Millionen Besucher.

Viele kommen nur für wenige Stunden nach Venedig, nur um die Rialtobrücke und den Markusdom zu sehen. „Daran kann ich sie nicht hindern“, sagt Mar. Die Stadtverwaltung bemüht sich trotzdem, den Menschenstrom in weniger bekannte Stadtviertel umzulenken, zumindest jene Touristen, die nicht mit Kreuzfahrtschiffen kommen.

Das ebenso unter der Last des Massentourismus florierende und leidende Florenz geht offensiv mit Touristen um, die ihre Namen in Denkmäler ritzen. Nicht Verbote, sondern  Totems an Giottos mittelalterlichem Glockenturm neben dem Dom, auf denen Besucher Zeichen setzen können, helfen das Problem zu lösen. Sie werden publikumswirksam auf einer Internetseite veröffentlicht.



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