Die Allianz verdient jetzt an der italienischen Maut

Ungefähr eine halbe Milliarde Euro investiert der Versicherer Allianz nun in einen italienischen Autobahn-Betreiber. Der weiß auch schon, was er mit dem Geld machen will.

Der deutsche Versicherer Allianz beteiligt sich mit mehr als einer halben Milliarde Euro an der Betreibergesellschaft der italienischen Autobahnen. Ein von der Infrastruktur-Tochtergesellschaft Allianz Capital Partners (ACP) geführtes Konsortium erhielt den Zuschlag für einen Anteil von fünf Prozent an Autostrade per l’Italia, wie der bisherige Alleineigentümer Atlantia mitteilte.

Insgesamt verkauft die börsennotierte Gesellschaft für 1,48 Milliarden Euro zunächst zehn Prozent an der Autostrade, die mehr als 3000 Kilometer Autobahnen betreibt. Das ist die Hälfte des Mautstraßennetzes Italiens.

Das Geld wollen die Italiener in die Expansion im Ausland stecken. Ein erstes Ziel haben sie schon: Atlantia bekräftigte Interesse an einer Übernahme des spanischen Autobahnbetreibers Abertis. Bedingung sei aber, dass man sich auf freundschaftlicher Basis einige.

Auch die Chinesen sind beteiligt

Aus Atlantia und Abertis würde einer der größten Infrastrukturkonzerne in Europa mit einem Börsenwert von etwa 36 Milliarden Euro entstehen. Atlantia betreibt auch die beiden Flughäfen der italienischen Hauptstadt Rom, Fiumicino und Ciampino.

Die Allianz hat sich für den Einstieg bei Autostrade per l’Italia mit zwei Partnern verbündet, mit denen sie bereits bei mehreren Infrastruktur-Investitionen zusammengearbeitet hat: dem französischen Versorger EdF und dem niederländischen DIF Infrastructure Fonds. ACP hält 74 Prozent an dem Konsortium. Ihr Anteil an Autostrade hat damit einen Wert von knapp 550 Millionen Euro. Ein weiterer Anteil von fünf Prozent geht an den chinesischen Staatsfonds Silk Road („Seidenstraße“). Die Allianz hat die Option, bis Oktober weitere 2,5 Prozent zu übernehmen.

Atlantia hatte insgesamt 15 Prozent an dem Autobahnbetreiber zum Verkauf gestellt. Die Gespräche mit weiteren Interessenten laufen noch. Als mögliche Käufer waren der Staatsfonds von Abu Dhabi, ADIA, und der australische Infrastruktur-Investor Macquarie gehandelt worden.

Mit Autobahnen hat die Allianz Erfahrung: In Deutschland ist ACP am Raststättenbetreiber Tank & Rast beteiligt. Versicherer sind erpicht auf Infrastruktur-Investments wie Autobahnen, Windräder oder Abwassersysteme, weil diese langfristig stabile, sichere Renditen versprechen. Die Einnahmen von Autostrade per l’Italia betrugen im vergangenen Jahr 3,8 Milliarden Euro, der operative Gewinn 2,4 Milliarden Euro.

Der Autobahnbetreiber baut derzeit das Netz für 25 Milliarden Euro um 1100 Kilometer aus. Über die Privatisierung von Autobahnen gibt es mittlerweile auch in Deutschland eine Diskussion.



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