Erzbischof Koch: «Linien, aber keine Fronten bei der Synode»

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Foto: Walter Wetzler

 
 
 

Die Bischofssynode zu Ehe und Familie geht in ihre letzte Woche. Verhärten sich die Fronten zwischen konservativen und reformorientierten Teilnehmern? Eher nicht, meint der Berliner Erzbischof Koch.

Bei der Familiensynode in Rom gibt es nach Ansicht des Berliner Erzbischofs Heiner Koch keine Fronten zwischen Reformern und Bewahrern oder zwischen den verschiedenen Weltgegenden. Bei den Diskussionen finde die deutsche Sprachgruppe viel Aufmerksamkeit, sagte Koch der Deutschen Presse-Agentur.

Frage: Was sind die bisherigen Ergebnisse der Synoden-Beratung? Sind jetzt auch heiklere Themen wie die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten oder der Umgang mit homosexuellen Paaren zur Sprache gekommen?

Antwort: Wir waren uns in den Beratungen einig, welches Geschenk Gottes für uns das Sakrament der Ehe bedeutet. Für uns ist sie nicht nur eine soziologische Größe, sondern ein Geheimnis des Glaubens. Wir sind uns einig, dass wir diese unsere Sicht um der Menschen willen in der Gesellschaft klar vertreten müssen, die manche oftmals ganz differierende Ehebegriffe beheimatet. Außerordentlich differenziert und tief waren die Diskussionen im deutschsprachigen Zirkel, in dem wir um unsere Position ehrlich gerungen haben, die wir dann ins Plenum wieder eingebracht haben. Als Relator dieser Gruppe habe ich im Gespräch und in der Arbeit mit den anderen Relatoren oft erfahren, wie aufmerksam sie auf die deutschsprachige Gruppe schauen.

Frage: Wie sind die bisherigen Ergebnisse dieser Diskussion, zeichnen sich Fronten ab? Wie gehen die unterschiedlichen Lager und Weltregionen miteinander um?

Antwort: Ich sehe Linien, aber keine Fronten. Bei einer offen gehaltenen Synode kommen unterschiedliche Erfahrungen, theologische Überzeugungen und Bewertungen zusammen. Sie werden hier klar zum Ausdruck gebracht und mit Achtung, aber oft auch mit kritischem Blick, wahrgenommen. Zu mancher Wortmeldung hätte ich gerne Rückfragen gestellt, aber ein solcher schneller Austausch ist eben nur in den Sprachgruppen möglich.

Frage: Was erwarten Sie von der letzten Synodenwoche?

Antwort: Zunächst hoffe ich, dass wir unsere Arbeit im deutschen Sprachzirkel auch in dieser letzten Woche engagiert und gründlich leisten mit dem klaren Ziel, noch einmal Impulse ins Plenum geben zu können, die klären und zusammenführen. Ich bin gespannt auf die abschließenden Beratungen und Abstimmungen. Wir sind aber kein Parlament, auch wenn uns viele so sehen. Wir übergeben unsere Überlegungen, so unterschiedlich sie auch sein mögen, dann dem Heiligen Vater. Ich habe das tiefe Vertrauen zum Heiligen Geist und in ihm zu Papst Franziskus, dass sie das alles und uns alle gut weiterführen.

ZUR PERSON: Der am 13. Juni 1954 geborene Erzbischof Heiner Koch hat seinen Posten in Berlin erst kurz vor Beginn der Synode angetreten. Der Düsseldorfer wechselte im September von Dresden in die deutsche Hauptstadt. Der Vorsitzende der Kommission für Ehe und Familie der Bischofskonferenz gilt als ein zwar rheinisch-jovialer, aber in der Kernbotschaft unmissverständlicher Gottesmann.