Renzi fordert Ende der Dublin-Regeln zur Flüchtlingsverteilung

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Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi hat von den übrigen europäischen Ländern mehr Anstrengungen bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise verlangt. In einem offenen Brief in der linksliberalen Tageszeitung «La Repubblica» (Freitag) bekräftigte er zugleich seine Forderung, die sogenannte Dublin-II-Regel aufzuheben, wonach sich jenes Mitgliedsland um ein Asylverfahren kümmern muss, in dem ein Asylbewerber zuerst angekommen ist. «Es ist jetzt an der Zeit, die Logik des nationalen Egoismus und damit Dublin zu überwinden», schrieb Renzi.

Italien ist wegen seiner südlichen Lage und langen Küsten (7600 Kilometer) Ziel besonders vieler Bootsflüchtlinge und empfindet die Dublin-Regeln daher als ungerecht. Renzi erinnerte daran, dass die italienische Marine und Küstenwache schon seit Jahren tausende Menschenleben im Mittelmeer retten würden. Ihm komme es aber so vor, als ob erst jetzt alle Länder aufwachen und die Dimension des Problems erkennen würden. «Für uns Italiener war das, wie wenn man einen Film auf dem iPad guckt. Du alleine hast den Kopfhörer auf und siehst und hörst daher alleine, was auf dem Schirm geschieht. Plötzlich zieht dir jemand den Kopfhörer raus, und der ganze Raum ist mit Lärm erfüllt. Aber das hier ist kein Film», schrieb Renzi.